Hansegravel Teil I

Jetzt ist es endlich soweit, die Zeit der Planungen, Vorbereitungen, Wetterprognosen checken, Material „optimieren“ ist vorbei. Es geht los!

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit der Familie mache ich mich pünktlich auf dem Weg zum Bahnhof, um mit dem Metronom nach Hamburg zu fahren und vom HBF zum Start in Entenwerder zu rollen. Angekommen in Tostedt der erste Frust: Der geplante Zug um 8:30 entfällt ersatzlos…

So komme ich erst um 9:30 Uhr in Hamburg Hauptbahnhof an und quäle mich durch das Gedränge bis ich dann endlich mit dem Rad Richtung Entenwerder starten kann. Um kurz vor 10 dann endlich da, die ersten „Frühstarter“ kommen mir schon entgegen.

Schnell bei René das Cap „eingesammelt“, der knappen Ansprache zum Start gelauscht und dann langsam auf den Weg gemacht. Auf dem Weg in die Stadt noch kurz Harald gesehen, leider die einzige Begegnung auf der Tour.

Los gings gleich wie bei den Cyclassics im wilden Ritt durch die Stadt und an die Alster. Ruhig bleiben, nicht von den anderen mitreißen lassen… Hab ich mir zwar immer wieder gesagt, hat aber nicht so richtig gut geklappt. An der ersten Treppe an der Alster: vielleicht doch keine so gute Idee mit so viel Gewicht auf der Vorderachse? Ordentliche Plackerei, das AWOL dort hoch zu wuchten. Und schon hat sich auch die erste Packtasche das erste Mal los gerappelt. Anhalten, neu festmachen, weiter…

Ein malerischer Weg durchs Alstertal, wenn nur die ganzen Anstiege und die kleinen Singeltrail- und Wurzelpassagen nicht wären. Teilweise für mich nicht fahrbar und meine Packtaschen zu breit. Schnell ist Kayhude erreicht, als Ortsunkundiger finde ich die Tanke natürlich nicht aber kurz danach kommt ja zum Glück ein Hofcafe mit der Möglichkeit, „nachzutanken“. Und auch die Befestigung der Packtaschen nochmal zu justieren und die Packtaschen jeweils mit einen zusätzlichen Spanngurt fest zu zurren. Ein paar KM weiter ist die Packtasche wieder locker, so gehts jeden Tag 4-5 mal. Ob mit Spanngurt oder ohne ist egal, daher fahre ich ab Tag 2 wieder ohne weiter.

Wunderschöne Wege mit anspruchsvollen Anstiegen (für mich, mein Gewicht, meine Fitness, meine Übersetzung). Das heißt: viele Schiebepassagen. Und Bergab auch häufig mit gebremsten Schaum, da viele schlecht einsehbare Kurven, Sand auf der Straße etc.

Auf der Bahntrasse vor Bad Oldesloe bewährt sich dann das Tubeless-Setup erstmalig. Vom Vorderrad spritzt mir die Dichtmilch entgegen, der Reifen ist sehr schnell dicht und ich kann einfach weiter fahren. Andere verbringen auf dem Stück einige Zeit mit Flicken und Pumpen.

In Bad Oldesloe merke ich das erste Mal, dass ich es vielleicht ein bisschen zu schnell angegangen bin und zu viele Körner schon verschossen habe. Aber andererseits liege ich hinter meiner Marschtabelle für Hansegravel in 4 Tagen weit zurück. Da müsste ich eigentlich schon viel weiter sein. Also nur einen schnellen Kaffee und ein Stück Kuchen und weiter…

Ab jetzt geht es die Trave entlang, die Alster liegt hinter mir. Vom Zufluss zur Nordsee zum Ostsee-Zufluss. Sind so Gedanken, die mir dabei durch den Kopf gehen bis irgendwann die ersten Vororte von Lübeck erreicht sind und meine Erschöpfung immer weiter steigt. Ziemlich fertig lasse ich mich auf eine Bank an der Trave am Lübecker Ruderclub fallen. Eigentlich bin ich fest entschlossen, zum Bahnhof zu fahren und mit dem nächsten Zug nach Hamburg zurück zu fahren. Zu groß ist die Enttäuschung, dass ich den Hansegravel in 4 Tagen nicht schaffen werde. Zu erschöpft bin ich jetzt schon, nach noch nicht einmal 100 km. Ich telefoniere mit meiner Frau, um sie über meinen Entschluss zu informieren und kassiere einen gewaltigen Arschtritt für meinen Gedanken aufzugeben! Danke nochmal dafür – die Drohung zu Hause nicht eingelassen zu werden zeigt Wirkung, einen Schlüssel habe ich nicht mit – irgendwo muss man ja anfangen, Gewicht zu sparen…

Ich entschließe mich also, weiterzufahren. Travemünde nehme ich mir als Etappenziel für Tag 1 vor. An der Trave entdecke ich eine Tankstelle, wuchte mein Rad (ja, immer noch sackschwer!) 5 Treppenstufen hinauf und verpflege mich. Danach wieder 5 Treppenstufen runter, um 50 m weiter festzustellen, dass der Track direkt neben der Tankstelle rauskommt und 100 m weiter eine Tankstelle direkt am Track liegt. Trail Magic stell ich mir anders vor…

Endlos langsam quäle ich mich aus Lübeck heraus. Der Holperpfad entlang der Trave raubt mir an diesem Tag den letzten Nerv. Den Weg durch das malerische Dörfchen Gothmund kann ich nicht mehr genießen, auch die Touristen nerven nur noch. Endlich ist der Bus-Shuttle am Herrentunnel erreicht. Pause, sitzen, etwas erholen… Natürlich nehme ich nur meine fast leere Trinkflasche mit in den Bus und vergesse mein Essen am Rad.

Jetzt geht es noch über einige schöne Wald-Abschnitte. In Travemünde-Ivendorf entscheide ich mich, im Hotel Grüner Jäger einzuchecken und nach 110 km auf dem Track meine erste Übernachtung einzulegen. Zu mehr waren Körper und Geist auch nicht mehr in der Lage.

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Link zu Strava: https://www.strava.com/activities/2325865386

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3 Responses to Hansegravel Teil I

  1. René sagt:

    Mein lieber Freund, sei stolz auf dich was du erreicht hast! Ein großes Lob an deine Frau, es geschafft zu haben dich zu überzeugen das du weiter machst.

    Du hast meinen höchstens Respekt! Ich bin nicht sicher ob ich soweit gekommen wäre.

    Hoffe sehen uns bald wieder.

    VG
    Von mir und meiner Family

  2. Burkhard sagt:

    Hallo Michael,
    eben mal wieder an den Hanse Gravel gedacht und gleich gegooglet, ob es Berichte gibt…
    cx-Bux kenne ich doch, also klick und lesen….
    Mein größter Respekt, Alter!!! Super Leistung!!

    Ich hatte dies Jahr schon überlegt, ob ich mir das antuen soll…Mal schauen, was da nächste Jahr bringt.

    Grüße,
    Burkhard

  3. Pingback: Hanse Gravel 2019 – UNTERWEGS auf 2 RÄDER

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