DIY Brevet 300km Sittensen => Cuxhaven => Sittensen

Wie so oft hat Lars Jessen (aka Jessentours :D) zu einer „kleinen“ Veranstaltung eingeladen. Am ersten August-Wochenende sollte es von Hamburg aus 600 km als DIY-Brevet durch Niedersachsen gehen.

600 km? Und Anreise nach Hamburg und dann von Hamburg noch wieder zurück nach 600 km? Besser nicht… Also habe ich erstmal eine Route mit 600 km ab zu Hause geplant, die möglichst lange Lars Routenvorschlag folgt. Aber 600 km? Ist das machbar? Aus zeitlichen Gründen habe ich mich dagegen entschieden. Und eine 300 km Variation geplant. Start zu Hause, in Osterholz-Scharmbeck auf die Strecke von Lars treffen, dieser über Bremerhaven, Cuxhaven, Bremervörde bis nach Horneburg folgen und dann wieder abzweigen nach Hause – das könnte machbar sein… Die Betonung liegt auf KÖNNTE. Mehr als 100 km fahre ich sehr selten, Mehr als 200 km waren es zuletzt vor 9! Jahren beim Ötztaler Radmarathon 2011. Über 300 km? Das ist schon so lange her, dass ich mich nicht mehr erinnern kann…

Plan: Samstag Abend gegen 18 Uhr los fahren und Sonntag Mittag wieder zu Hause sein. Damit der Hitze auf einem Großteil der Strecke aus dem Weg gehen und die Nacht hoffentlich genießen.

Wettervorhersage passt, trotzdem die Schutzbleche wieder am Müsing montieren und die 28er Contis aufziehen. Licht montieren, kleine Satteltasche mit Regenjacke und Wechselkleidung und Arm- und Knielingen packen. Am Nachmittag noch ein kurzes Nickerchen und es kann los gehen.

Nach einem kurzen Stopp am Mühlenteich verlasse ich Sittensen Richtung Zeven. Schon nach wenigen Kilometern auf dem Radweg entlang der Landesstraße zweifel ich, ob ich nicht vielleicht doch den längeren Weg über die Nebenstraßen hätte nehmen sollen. Was ein geholper auf dem „Radweg“.

Nach einem kurzen Zwischenstopp an der Hamme-Brücke erreiche ich bald meinen ersten geplanten „Tankstopp“ in Osterholz-Scharmbeck.

Die Hamme.

Die Strecke führt dann quer durch die Stadt und mich auf den Track von Lars. Hinauf auf den „Col de Osterholz“, so fühlt es sich für mich zumindest an. Es wird langsam dunkel, dafür wird der Verkehr immer weniger. Über viele tolle Nebenstrecken erreiche ich in Begleitung des Fast-Vollmondes Bremerhaven.

Hier glaube ich schon fast, die Tankstelle verpasst zu haben bevor sie dann kurz vor dem Ortsausgang doch noch in der Dunkelheit erscheint. Als ich es mir auf dem Bordstein gemütlich mache, um die pappigen Sandwiches zu verzehren, werde ich vom Tankstellenpersonal unter Kopfschütteln der übrigen zwei Kunden vom Gelände verwiesen. Hausverbot wurde mir schon lange nicht mehr erteilt… Also nehme ich meine Sachen und setze mich auf die Rückseite der Tankstelle. Und was ist dort? Burgerking… das wäre eine gute Alternative zum pappigen Sandwich gewesen.

Da es mittlerweile merklich kühler geworden ist ziehe ich mir meine Knielinge und meine Armlinge an. Mist, die sind viel zu groß, ich habe wohl meine Beinlinge aus versehen eingepackt… Anfänger-Fehler!

Zum Glück ist bald das Ortsende von Bremerhaven erreicht und ich biege wieder ein auf wunderschöne, verlassene Nebenstraßen. Hier geht es gegen den böigen Westwind Richtung Weser/Nordsee-Deich. Und dann immer am Deich entlang Richtung Cuxhaven. Zum Glück liegen die Kilometersteine weit vom Weg entfernt, sodass ich gar nicht in Versuchung komme, die Kilometer zu zählen. Dann kann der Weg gefühlt ewig werden.

Irgendwann erreiche ich das erste Tiergatter. Kurz danach ein voller Kuhstall am Weg. Prima, denke ich, da werden ja wohl alle Kühe drinnen sein. Kaum habe ich das zu Ende gedacht schaut mich am Rande meines Lichtkegels eine Kuh vorwurfsvoll an. Man, hab ich mich erschrocken.

Kurz vor Cuxhaven gibt es noch eine kleine Gravel-Einlage. Aber gut zu fahren, auch im Dunkeln. Die Fahrt durch die Stadt nervt ein bisschen, auch wenn sehr wenig bis kein Verkehr ist. Schnell ist die nächste Tankstelle erreicht, endlich was Essen… Leider gibt es noch keine Brötchen und auch sonst wenig Herzhaftes. Süßkram kann ich so langsam nicht mehr sehen. Um die Energieversorgung sicherzustellen packe ich ab hier in eine meiner Trinkflaschen ein Energiegel, natürlich verdünnt. Zwar auch süß aber süßes Essen bekomme ich nicht runter aktuell.

Kurz hinter Cuxhaven ziehe ich mich um, meine „Armlinge“ aus und dafür das lange Unterhemd an. Die Beinlinge, die ich als Armlinge getragen habe, sind permanent gerutscht und haben über die letzten KM ständig genervt.

Jetzt wird die Luft etwas feuchter, in der Ferne sehe ich das ein oder andere Wetterleuchten. Auch ist mal ein paar Meter die Straße nass. Aber ich werde bis zum Ende der Tour trocken bleiben…

Langsam wird es etwas heller, einfach spannend, wie man nach und nach immer mehr von der Umgebung wieder erkennen und wahrnehmen kann.

Kurz vor Sonnenaufgang dann an einer kleinen Schutzhütte in der Ortsmitte irgendwo im Nirgendwo ein kurzes Päuschen…

Die Kilometer scheinen nur so dahin zu fliegen, auch wenn ich sicherlich selten viel schneller als 20 km/h fahre. ein ziemlich langes Schotterstück nervt, dafür genieße ich es, Kilometerlang auf der linken Fahrbahnseite auf super Asphalt fahren zu können, weil einfach kein Verkehr ist.

Auch wenn ich regelmäßig esse und trinke, ich freue mich so langsam auf ein richtiges Frühstück. Brötchen und Kaffee müssen her. In Lamstedt ist leider noch alles geschlossen (keine Ahnung, ob es dort später an einem Sonntag irgend etwas zu essen gibt…).

Also weiter Richtung Bremervörde, dort gibt es ja bestimmt etwas am frühen Sonntag morgen. An der vorgesehenen Tankstelle ist leider noch alles zu – keine Ahnung ob und wann sie auf machen. Der Bäcker nebenan öffnet erst um halb 8. Noch fast 30 Minuten warten… Google verrät schnell, dass es in der Umgebung keine Alternative gibt, die früher öffnet. Auch auf dem weiteren Weg Richtung Mulsum und Fredenbeck: Kein Bäcker in Sicht! Also warte ich und ruhe mich ein bisschen aus.

Frisch gestärkt geht es auf die letzten ca. 70 km. Der „Berg“ Richtung Mulsum zieht sich wie Kaugummi, ein richtiger Magnetberg… Kaum merklich geht es beständig leicht bergauf.

Hinter Fredenbeck nutze ich eine Bushaltestelle für eine kurze Pause, mein Rad muss sich ausruhen 🙂

In Horneburg schnell durch den Ort und zur Tankstelle am Ortsrand. Nochmal durchatmen und auftanken. Endlich mal was Herzhaftes essen.

Die letzten KM laufen richtig gut, sodass ich deutlich früher als geplant wieder in Sittensen ankomme. Hier kommt mir meine Familie entgegen – welch eine Freude! Gemeinsam fahren wir zum Mühlenteich und dann zu Sonias Eiscafe – endlich Kuchen!

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